Online Bierkrug-Museum-Haßfurt



Ein Stück fehlt immer in der Sammlung

08.08.10  Von: Ralf Naumann "©"

Sammlerglück In dem Eltmanner Stadtteil Eschenbach trafen sich hunderte Sammler von Brauerei-Werbemitteln zu einer Börse. Die Leidenschaft schickt manchen schon früh morgens auf die Straße, um zu solchen Treffen im ganzen Land zu fahren.

 

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Es war einmal: Klosterbräu in Ebelsbach und auch in Ochsenfurt.

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

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Autos mit Kennzeichen aus Bayreuth oder Leipzig standen da, aus dem Vogtlandkreis, Neumarkt, Dortmund, Ulm, Bamberg, Coburg, Hof, Schweinfurt, selbst aus den Niederlanden oder Polen waren am Samstag Gäste in den Eltmanner Stadtteil Eschenbach gekommen. Ein Großereignis zog sie alle an: die "Stüchtl FvB-Tauschbörse", Bierkrugsammelbörse des Vereins "Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern".

Auf dem Gelände der Wagner-Bräu traften sich hunderte Sammler. Bei der "Mini-Messe" präsentierten die Spezialisten auf Camping- und Biertischen, in Koffern oder auch einfach im Autokofferraum Krüge und Gläser, Dosen, Flaschen, Etiketten, Werbetafeln, Flaschenöffner, Bierfilze und Kronkorken, teilweise viele Jahre und Jahrzehnte alt und dementsprechend wertvoll.

Auf "fränkische Bierkrüge" hat sich Konrad Pfuhlmann aus Knetzgau spezialisiert. "Unter-, Ober- und Mittelfranken. Etwas über 1000", schätzte er seine Sammlung. Vor zehn Jahren packte ihn die Sammelwut; er hatte einen Bericht gelesen, das war der Auslöser. Seitdem besucht der 71-Jährige, verwandt mit der einstigen "Ankerbräu" in Knetzgau, nicht nur die Börsen im Landkreis, sondern auch außerhalb. "Wenn es sich halt ergibt."

Bei so vielen Stücken kann man schon einmal etwas vergessen, und damit er nicht ein Teil doppelt einkauft, hat Pfuhlmann seine Mappen dabei. Darin stehen alle seine Bierkrüge feinsäuberlich fotografiert und alphabetisch geordnet. "Das hat zwar viel Arbeit gemacht, aber ich weiß immer sofort, ob mir der Krug noch fehlt oder nicht."

"Ich suche alles aus Haßfurt. Krüge, Gläser, Biermarken, Filze. Aus Unterfranken nur alte Steinkrüge bis 1960" - für Peter Räth war der Samstag eine gute Gelegenheit, seine knapp 1100 Stück große Privatsammlung zu vergrößern. Ende der 90er fing der Haßfurter damit an, sein Wohnzimmer zu "verschönern". Heute stehen hier in Regalen und Vitrinen feinsäuberlich aufgereiht "einige schöne Krüge von Haßfurt". Allmählich wird es "immer schwieriger, Neues zu entdecken", meinte der 49-Jährige. Wobei das nicht unbedingt ein Nachteil für ihn ist, denn seine beachtliche Sammlung hat den Platz schon merklich eingeschränkt. Mittlerweile ist er bereits "zufrieden, wenn ich im Jahr zwei, drei gute Krüge finde." Peter Räth nutzt die Gelegenheit beim Gespräch mit unserer Zeitung: Leute, die noch schöne Brauereiartikel aus Haßfurt haben und nicht mehr benötigen, dürfen sich gerne bei ihm melden, (Telefonnummer 09521/6191083).

Obwohl Peter Räth sich nur für Haßfurter Brauereiartikel interessierte, war er von der Bierdeckelsammlung des Niederländers Jan Krosman sehr angetan. Mit seiner Frau hat Jan aus der 36 000 Einwohnerstadt Raalte in der Provinz Overijssel so einiges zusammengetragen: "Wir haben bereits 127 000 verschiedene aus aller Welt", erzählte Krosman voller Stolz. 1992, "als die Kinder ausgeflogen waren", kam er zu diesem Hobby. Er steuert seitdem "pro Jahr ungefähr zehn Tauschbörsen in Deutschland" an. Dafür ist er bis zu 30 000 Kilometer mit dem Auto unterwegs, dazu kommen mehrere tausend Kilometer mit dem Rennrad. Nach Eschenbach sind die Krosmans gekommen, weil ihr Sohn in Süddeutschland derzeit seinen Urlaub verbringt. "Da fahren wir dann nach der Veranstaltung hin." Einen ganz wertvollen, seltenen Bierdeckel hat er von seinem damals in Tansania tätigen Hausarzt geschenkt bekommen, als der wieder nach Holland zurückgekehrt ist. Durch seine Kontakte in alle Welt wird seine Sammlung größer. "Ich schicke meine doppelten holländischen Exemplare dorthin und bekomme dann neue."

"Um dreiviertelfünf" fuhr Axel Mönnich in Plauen los, um rechtzeitig in Eschenbach zu sein. Im Gepäck hatte der Sachse alle möglichen Brauereisouvenire. Mit zarten vier Jahren kam er dank seines Vaters erstmals mit Etiketten in Berührung. "Danach habe ich ebenfalls mit dem Sammeln begonnen." Inzwischen sei seine Wohnung "ein privates kleines Biermuseum", lachte der 46-Jährige. Seine Lebensgefährtin, so erzählte er weiter, lebt übrigens in einer eigenen Wohnung. "Sie möchte nicht, dass Bügelflaschen oder Krüge auf der Schrankwand stehen." Er aber sammelt "ungebremst weiter".

Verantwortlich für das bunte Treiben war zum vierten Mal der Eltmanner Rentner Herbert Bott. "Ich bin sehr zufrieden", strahlte der gelernte Mälzer und Brauer nicht nur wegen des sommerlichen Wetters, sondern vor allem wegen der großen Resonanz. Er selbst wurde vor 35 Jahren von der Sammelleidenschaft gepackt. "Es ist einfach schön, alte Bekannte wiederzutreffen, die sich ebenfalls mit Herzblut diesem Hobby widmen", beschrieb der 68-jährige Hauptorganisator. "Andere sammeln Briefmarken oder Modellbahnen, wir eben Bierutensilien."

 

 

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Bierkrüge, Bierflaschen, einfach alles was das Herz von Sammlern von Brauereiwerbemittel erfreut, gab es in Eschenbach zu bestaunen. Und natürlich fachsimpelten die Spezialisten miteinander.

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

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Der Haßfurter Peter Räth (rechts) war zwar auf der Suche nach Bierkrügen aus Haßfurt. Die große Bierdeckelsammlung des Niederländers Jan Krosman war für ihn aber auch faszinierend.  

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

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Auch Brauereiinhaber Karl Wagner (links) war begeistert von den hunderten von Sammlern, die zur "Bierkrugsammelbörse" der "Fördergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern e. V." auf seine Gelände gekommen waren. Organisator Herbert Bott zeigte ihm einige schöne Exemplare.

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

 

 

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 Mit großem Gepäck kam Axel Mönnich aus Plauen nach Eschenbach. Seine Wohnung ist mittlerweile "ein privates kleines Biermuseum" geworden.

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

 

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Aufmerksam studierte Konrad Pfuhlmann aus Knetzgau die ausgestellten Bierkrüge. Der 71-Jährige, der sich auf das Sammeln von ausschließlich fränkischen Exemplaren spezialisiert hat, war bei der "Stüchtl FvB-Tauschbörse" in Eschenbach auf der Suche nach Neuem. Zur Hilfe hatte er seine Mappe, in der seine Bierkrüge feinsäuberlich fotografiert und alphabetisch geordnet waren.

Fotos: Ralf Naumann "©"

 

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Dafür kamen viele Sammler aus ganz Deutschland und sogar darüber hinaus kilometerweit angefahren.

Fotos: Ralf Naumann "©"